Bekämpfung der Varroase Feststellung des Therapienotstandes als Voraussetzung für den Einsatz von 85%iger Ameisensäure

 

Bekämpfung der Varroase

Feststellung des Therapienotstandes als Voraussetzung für den Einsatz von 85%iger Ameisensäure-

Informationsschreiben des Fachzentrums Bienen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Veitshöchheim

1. Feststellung des Therapienotstandes in Bayern

Der Parasit Varroa destructor ist in Bayern flächendeckend in allen Bienenvölkern verbreitet. Diese Parasitose macht eine jährliche wirksame Behandlung aller Bienenvölker zwingend notwendig. Unbehandelte oder unzureichend behandelte Bienenvölker gehen durch übermäßigen Parasitenbefall zugrunde.

Die Bekämpfung der Varroase basiert im Wesentlichen auf der Behandlung unmittelbar nach dem Abschleudern der Völker im Sommer. Die Behandlung sollte dabei so früh wie möglich erfolgen.

Der frühestmögliche Behandlungszeitpunkt und damit der zur Verfügung stehende Behand-lungszeitraum für die Sommerbehandlung wird durch die jeweilige Betriebsweise bestimmt. Bei Nutzung der Früh- bzw. Sommertracht kann die Behandlung ab Anfang/Mitte Juli, bei Nutzung der Spättracht je nach den Umständen des Einzelfalls erst ca. Mitte bis Ende August erfolgen.

Die zu erwartende Durchschnittstemperatur während der Behandlung hängt vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Sie hat, zusammen mit der Luftfeuchte, maßgeblichen Einfluss auf den Behandlungserfolg bei Einsatz von Ameisensäure 60% ad us. vet., Thymovar® und Apiguard®

Für die Behandlung mit Ameisensäure 60% ad us. vet., Thymovar®, Apiguard® gilt:

Die genannten Arzneimittel töten die Milben relativ langsam ab. In Abhängigkeit von dem jeweiligen Arzneimittel, der Aktivität des behandelten Bienenvolkes, der Umgebungstemperatur und den Niederschlägen beträgt die Gesamtbehandlungsdauer ca. drei bis acht Wochen. Die genannten Arzneimittel entwickeln je nach Präparat lediglich bei Durchschnittstemperaturen von 15°C bis ca. 25°C eine ausreichende Wirksamkeit. Hohe Luftfeuchte bzw. längere Regenperioden können den Behandlungserfolg deutlich herabsetzen. Dies war in den letzten beiden Jahren weit verbreitet der Fall.

Informationen zur Behandlung mit Bayvarol®

Bayvarol führt zu einer deutlich schnelleren Entmilbung der Völker und die Wirkung ist weniger abhängig von den klimatischen Bedingungen. Allerdings ist für Bayern, wie in an deren Regionen Deutschlands, eine weitverbreitete Resistenzlage der Varroamilbe gegen Bayvarol® nachgewiesen.

Die Auswahl des Arzneimittels erfolgt daher insbesondere im Hinblick auf

- den frühestmöglichen Behandlungsbeginn,
- die voraussichtliche Behandlungsdauer und
- die voraussichtlichen Temperaturen und Niederschläge während der Behandlungsdauer

Darüber hinaus muss beim Einsatz von Bayvarol® die jeweilige Resistenzsituation Beachtung finden.
Vor diesem Hintergrund kann unter bestimmten Umständen ein Therapienotstand im Sinne des § 56a Abs. 2 AMG entstehen, der die Umwidmung eines in der Apotheke hergestellten Arzneimittels mit 85% iger Ameisensäure rechtfertigt. 85% ige Ameisensäure weist eine deutlich schnellere Entmilbung und höhere Wirksamkeit bei niedrigeren Temperaturen auf als die anderen für eine Sommerbehandlung in Frage kommenden, zugelassenen Arzneimit-tel (Ausnahme Bayvarol®, siehe oben).

Ein Therapienoststand entsteht beispielsweise bei einem Behandlungsbeginn in Folge einer Spättrachtnutzung erst im August bei gleichzeitig ungünstigem Klima (regenreich, unzureichende Temperaturen von unter 20°C Durchschnittstemperatur) und Bayvarol Resistenz. In diesem Fall kann mit den zur Verfügung stehenden zugelassenen Behandlungsmitteln kein ausreichender Therapieerfolg sichergestellt werden.

2. Die Anwendung der 85%igen Ameisensäure mit der Medizinflasche

(Universität Hohenheim, Staatliches Tierärztliches Untersuchungsamt Aulendorf, Bienengesundheitsdienst und Fachzentrum Bienen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau)
Die Medizinflasche als Vakuumverdunster kann variabel eingesetzt werden, entweder als Kurzzeitbehandlung in Form von TV kurz oder MoT oder als Langzeitbehandlung in Form von TV lang. TV heißt Tellerverdunster, MoT bedeutet Medizinflasche ohne Teller.

Die drei Behandlungsvarianten mit der Medizinflasche im Überblick. AS= Ameisensäure.

 

Variante Material 1-Zargen-Völker 2-Zargen-Völker
TV lang AS 85%
Teller
Docht
150 ml
ø = 12 cm
14 x 14 cm
200 ml
ø = 14 cm
16 x 16 cm
TV kurz AS 85%
Teller
Docht
50 ml
ø = 12 cm
14 x 14 cm
100 ml
ø = 14 cm
16 x 16 cm
MoT AS 85%
Weichfaserplatte
25-30 ml
10 x 15 cm
50-60 ml
10 x 15 cm

Die Langzeitbehandlung (TV lang) wird nach der Auffütterung durchgeführt. Als Docht wird ein zweimal gefaltetes Papier-Küchentuch verwendet, das in einen Blumentopfuntersetzer eingelegt wird. Darauf wird zentral ein gebohrter Holzklotz als Flaschenhalter gelegt. Bei 2-Zargen-Völkern wird die Medizinflasche mit 200 ml 85%iger Ameisensäure gefüllt, bei 1- Zargen- Völkern mit 150 ml. Ein zufrieden stellender Behandlungserfolg von über 95% ist zu erwarten, wenn bei 2-Zargen-Völkern täglich etwa 20 g Ameisensäure und bei 1- Zargen- Völkern täglich etwa 8 g Ameisensäure verdunsten.

Die Varianten TV kurz und MoT sind besonders für die Behandlung vor der Auffütterung ge-eignet. Für die TV kurz- Behandlung wird die Flasche bei 2-Zargen-Völkern mit 100 ml und bei 1 -Zargen-Völkern mit 50 ml 85%iger Ameisensäure gefüllt. Bei sommerlichen Temperaturen ist die Flasche nach 3-4 Tagen geleert. Der Wirkungsgrad liegt dann in der Regel deutlich über 90%.

Bei der M0T-Behandlung wird auf den Teller verzichtet. Der Docht wird auf das Bienenvolk gelegt und auf ihn der gebohrte Holzklotz als Flaschenhalter gestellt. Auf den Docht wird die Medizinflasche gestülpt. Die Ameisensäure tropft beständig aus der Flasche und breitet sich im Docht langsam aus. Wenn als Docht eine 2 mm dünne Weichfaserplatte verwendet wird, ist die mit 50 ml Ameisensäure gefüllte Flasche nach etwa 3 Stunden leer. Der Docht ist dann feucht. Nach etwa 1 Tag ist die meiste Ameisensäure verdunstet. Eine gute Wirkung wird nur erreicht, wenn es in den ersten Stunden nach Behandlungsbeginn wärmer als 15° C ist. Deshalb sollte die M0T-Behandlung bevorzugt am frühen Vormittag durchgeführt werden.

Vorgehensweise bei Anwendung der Medizinflasche
1. Das Flugloch bleibt wie es ist oder es wird eingeengt.
2. Bodeneinlage(Windel) einschieben.
3. Deckel und Folie entfernen, Leerzarge aufsetzen.
4. Teller mit eingelegtem Docht (bzw. Weichfaserplatte bei MoT) auf das Volk legen.
5. Holzklotz (Flaschenhalter) auf Docht setzen.
6. Die passend gefüllte Medizinflasche aufschrauben, auf den Docht stülpen, Schraubverschluss
auf Flaschenboden oder Rähmchenoberträger legen. Der Tropfauslauf muss Kontakt mit dem Docht haben!
7. Leerzarge mit Deckel und Folie verschließen.
Nach Leerung der Medizinflasche Utensilien entnehmen (Handschuhe anziehen!).

Kontaktdaten des Fachzentrums Bienen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
Tel. 0931/9801-352
Fax 0931/9801-350
poststelle@lwg.bayern.de
www.lwg.bayem.de
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